Auf eine Tasse Tee nach Sri Lanka

10. Mai 2019     noch kein Kommentar

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Diesen April war ich in Sri Lanka auf Urlaub und habe eine 3 wöchige Rundreise durch dieses wunderschöne Land gemacht. Dabei hatte ich auch das Glück einen echten Teataster und Teehändler treffen zu dürfen. Natürlich hatte ich ganz viele Fragen an ihn, die er mir mit viel Geduld beantwortet hat. Diese vielen interessanten Details aus seiner Arbeit möchte ich euch nicht vorenthalten. Hier könnt ihr das Interview nachlesen.

Interview mit Amitha Wijesekera von der Tea Select (PVT) LTD. Er ist Teehändler und seit über 35 Jahren in der Branche tätig, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Angefangen hat er als Broker für unterschiedliche Teegärten, war danach Auktionsführer und ist jetzt Ein- und Verkäufer auf der Teebörse in Colombo.

Sie arbeiten als Teehändler in Colombo – wie schaut ein typischer Arbeitstag aus? Ich verkoste viel Tee und versuche gute Qualitäten für meine Kunden zu bekommen. Einmal pro Woche bin ich auf der Tee-Börse und hoffe, die ausgewählten Sorten zu einem adäquaten Preis zu bekommen.

Werden alle Tees über die Auktion verkauft? Alle Tees, die ins Ausland exportiert werden. Die Teefabriken produzieren Tee und behalten meist eine bestimmte Menge für den Eigenbedarf oder den Verkauf im Land. Aber der Rest der exportiert wird, muss über die Auktion verkauft werden. Sonst bekommt man keine Zollpapiere und kann den Tee nicht ausführen. In Sri Lanka ist es mengenmäßig die größte Auktion weltweit. Auch in Indien, Kenia oder Indonesien wird Tee über die Börse verkauft, aber dort ist es, soweit ich weiß, kein Muss, wenn exportiert wird.

Es findet jede Woche eine Auktion statt? Es gibt 50 Auktionen im Jahr – nur zu Weihnachten und Silvester ist die Börse zu, da sind Feiertage. (Anmerkung: hier ist Silvester nach dem singhalesischen Kalender, also am 14. April gemeint. Da ich zu dieser Zeit dort war, hatte ich leider keine Gelegenheit an einer Auktion teilzunehmen)

Zu Weihnachten ist geschlossen? Feiern Sie denn Weihnachten? Ich persönlich schon, meine Frau ist Katholikin und ich bin Buddhist. Aber wir Singhalesen sind immer dabei, wenn gefeiert wird (lacht). Daher findet zu Weihnachten auch keine Auktion statt. Wir haben sogar einen Weihnachtsbaum – aber nicht dass Sie jetzt denken, wir schmücken eine Palme (lacht) – meine Frau und ich haben einen richtigen Baum im Internet bestellt. Aus England. Den packen wir jedes Jahr aus dem Karton aus.

Wie viel Tee kaufen Sie wöchentlich bei einer Auktion? Meistens zwischen 10 und 20 Tonnen, je nachdem was meine Kunden bestellt haben. Ich kaufe nur auf Anfrage. Also wenn ich eine Bestellung von einem Kunden erhalte, versuche ich die passende Qualität auszusuchen und einzukaufen.

Worauf achten Sie beim Einkauf? Am wichtigsten ist die Qualität. Ich habe langjährige Kunden und weiß schon genau, welchen Geschmack und Qualität gewünscht ist und danach wähle ich die Tees aus dem Katalog aus. Und hoffe, den Zuschlag zu erhalten.

Sie wählen die Tees aus einem Katalog aus? Wie muss man sich den Ablauf vorstellen? Naja, es gibt einen Auktionskatalog mit ca. 700 verschiedenen Teegärten und da erhalte ich Muster, die ich verkoste. Wenn mir ein Muster zusagt, markiere ich es im Katalog und biete bei der Auktion mit. Ich habe schon im Vorhinein eine Preisvorstellung und wenn ich überboten werde, muss ich leider aussteigen.

Wie viele Tees verkosten Sie täglich? Es kommt darauf an, aber meistens sind es ca. 200 verschiedene Tees. Ich habe 4 Angestellt und 2 davon sind nur für das Herrichten der Verkostungen zuständig.

Wirklich, das nimmt so viel Arbeit in Anspruch? Ja, es ist sehr wichtig, dass die Tees unter gleichen Bedingungen verkostet werden. Sie müssen eine bestimmte Temperatur haben und bei 200 Tees ist das schon ein organisatorischer Aufwand.

Wie werden die Tees aufgegossen? Mit 110°C heißem Wasser und 5 Minuten Ziehzeit. Wir verwenden ca. 2 bis 3g Tee.

Es ist also wichtig 110°C heißes Wasser zu verwenden? Ja, sehr wichtig. Aber beim Verkosten muss der Tee schon ein wenig abgekühlt sein, sonst ist er zu heiß.

Wie oft haben Sie sich schon die Zunge verbrannt? (lacht) Sehr oft. Das kann ich gar nicht mehr zählen. Dann schimpfe ich immer mit meinen Angestellten.

Wenn Sie einen Tee einkaufen wollen, bieten Sie bei der Auktion. Wie muss man sich das vorstellen? Sehr laut. Das erste Gebot muss man mündlich abgeben, also ruft man dem Auktionsführer einfach sein Gebot zu. Wenn man weiterhin mitbieten will, muss man dann nur noch die Hand heben.

Das hört sich sehr stressig an. Ja, ist es. Besonders für den Auktionator. Ich habe das auch mal gemacht. Sehen Sie das? (er zeigt auf seinen Kopf, auf dem nur noch wenige Haare sind). Das habe ich davon. Man muss sehr gut hören und alles im Blick behalten. Es sind ca. 200 Personen, die bieten und da muss man ständig den Überblick behalten. Es geht alles sehr schnell.

Wie sind Sie zu dem Beruf gekommen? Es war eigentlich ein Kindheitstraum. In den Ferien durfte ich zu einem Schulfreund mit aufs Land fahren. Sein Vater war der Manager einer Teefabrik und ich habe dort so eine schöne Zeit erlebt. Das hat mich geprägt und ich wusste sofort, dass ich etwas mit Tee machen möchte. Ich habe als Broker begonnen und dann auch Auktionen geleitet. Und heute bin ich seit 35 Jahren im Geschäft. Es gefällt mir immer noch sehr gut.

Welchen Tee trinken Sie am Liebsten? (lacht) Kaffee. Ich trinke viel Kaffee. Aber ernsthaft, ich versuche keine Teesorte zu bevorzugen, daher trinke ich lieber Kaffee. Ich möchte nach dem Geschmack meiner Kunden einkaufen und versuche daher immer den richtigen Tee für den jeweiligen Markt zu finden. Wenn ich einen Lieblingstee hätte, dann würde ich vielleicht meine Kunden beeinflussen.

Dürfen Sie als Teataster Kaffee trinken? Ja. Eigentlich sollte ein Teataster nicht rauchen, keinen Alkohol trinken, nichts scharfes Essen. Mein Ausbilder hat mir aber am Anfang meiner Laufbahn erklärt, dass es in Ordnung ist, wenn man diese Dinge macht, aber man darf seinen Lebensstil nicht ändern. Wenn man immer geraucht hat, dann muss man weiterrauchen, wenn man nicht raucht, darf man nicht anfangen. Die Geschmacksnerven im Mund haben sich an die Umstände gewöhnt und die Geschmacksveränderung durch das Nikotin oder den Alkohol gewöhnt. Wenn man allerdings den Lebensstil ändert, dann wird es schwierig. Ich persönlich rauche allerdings nicht. Trinke nur zum Genuss hin und wieder Alkohol und versuche sehr mild zu essen. Wenn ich etwas scharfes gegessen habe, werden an dem Tag keine Tees mehr verkostet.

Wo sitzen Ihre Kunden? In Deutschland, Großbritannien und sehr viele in Japan.

Gibt es eine Teetradition in Sri Lanka? Nicht so richtig. Hier sind die Trinkgewohnheiten so, dass der Tee kräftig und dunkel sein muss. Hauptsächlich werden Teebeutel verwendet, die mit Milch und Zucker in einem Topf gekocht werden. Der Großteil der Tee-Ernte wird exportiert, nur ein kleiner Teil bleibt im Land. Ca. 80% gehen ins Ausland. (Anmerkung: Sri Lanka ist der viert größte Tee-Produzent weltweit, nach China, Indien und Kenia und produziert ca. 300.000 Tonnen Tee pro Jahr)

Welche Teesorten werden in Sri Lanka produziert? Der größte Teil ist Schwarzer Tee, aber es wird auch ein wenig Grüner und Weißer Tee hergestellt. Aber bekannt sind wir für die hochwertigen Schwarztees.

Gibt es auch Gartentees, wie zum Beispiel in Darjeeling? Ja, aber nur wenige bzw. wenn es der Kunde verlangt. Meine japanischen Kunden kaufen vorrangig Gartentees oder aromatisierte Schwarze Tees. Aber es ist nicht so populär, wie in Darjeeling. Der Unterschied ist, dass in Sri Lanka das ganze Jahr geerntet werden kann. Wir haben unterschiedliche Anbaugebiete, in verschiedenen Höhenlagen und daher können wir viele Qualitätstees anbieten.

Gibt es keine Ruhephase während des Monsuns? Nein, wir ernten das gesamte Jahr. Auch in der Regenzeit. Die Teepflanze benötigt viel Sonne, ausreichend Regen und keinen Frost. Wenn es viel regnet, wie während des Monsuns, dann speichert die Pflanze viel Wasser in den Blättern und wächst sehr schnell. Dieses gespeicherte Wasser muss dann während der Verarbeitung wieder entzogen werden, da leidet dann natürlich das Aroma und auch die Qualität. Außerhalb der Regenzeit, bei viel Sonne, wächst die Pflanze nur langsam und es kommt zu einer geringeren Erntemenge. Aber dafür zu einer sehr hohen Qualität. Daher werden in Sri Lanka zumeist Mischungen produziert. So können wir immer einen hohen und vor allem gleichbleibenden Standard bieten. Die Tees werden aus unterschiedlichen Ernten zusammen gemischt.

Vielen Dank für das nette und aufschlussreiche Gespräch!

Auf meiner Rundreise habe ich zwei Teegärten in Nuwara Eliya besucht. Auf der Fahrt von Kandy ins Hochland wechselt die schöne Landschaft von Reisplantagen zu saftig grünen Teeplantagen. Teegärten soweit das Auge reicht. Ich konnte mich nicht entscheiden, welchen Teegarte ich besuchen soll, jeder Tuk-Tuk Fahrer hat so seine eigene Empfehlung. Zuerst wird man von einem Guide durch die Teefabrik geführt, die Verarbeitung wird vom Welken bis zur Oxidation erklärt. Danach gibt es eine Tasse Tee mit Schokoladekuchen und natürlich kann man sich noch im hauseigenen Shop mit Tee unterschiedlichster Qualitäten eindecken. Alleine kann man dann einen ausgedehnten Spaziergang durch die wunderschönen Teeplantagen machen. Und oft begegnet man Teepflückerinnen bei Ihrer Arbeit in den steilen Hängen, zwischen den Teebüschen. In der Teefabrik wurde gerade eine große Menge an Teeblättern gewelkt, 4 von 8 Welktrögen waren gefüllt, die mit einem Generator betrieben wurden. Leider stand die restliche Produktion still, denn der Strom war für einige Stunden abgeschalten. Im April war es so trocken, dass die Wassersammelbecken für die Stromerzeugung nur noch wenig gefüllt waren und die Regierung den Stromverbrauch im ganzen Land durch stundenweises Abschalten regulieren und reduzieren musste. Je nach Region kann es im April und Mai schon häufig regnen, aber dieses Jahr war es ungewöhnlich heiß und trocken.

Das Land ist jedenfalls eine Reise wert. Aufgrund der schrecklichen Ereignisse, die kurz nach meiner Rückkehr in Sri Lanka passiert sind, sind wir in Gedanken bei den Menschen vor Ort. Zum Glück geht es auch Amitha und seiner Familie gut.

Demmers Teehaus bezieht 3 verschiedene Tees aus Sri Lanka – aus verschiedenen Anbaugebieten! Also, höchste Zeit unsere Ceylon Tees zu verkosten!

Alles Liebe,

eure Nadja


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