Neu! BIO aus Assam!

26. November 2008     noch kein Kommentar

  , , , , , ,

1227311966008 „Tee ist der neue Wein“, postulierte das Magazin der Süddeutschen Anfang November. Bobos, Hedonisten, Gourmets und Gourmands aller Länder, Kreti und Plethi stürzten sich in der ewigen Suche nach dem nächsten Hype nun auf Tee, nachdem Wein auf hohem Niveau solide etabliert und auch Kaffee nicht mehr bloß getrunken wird, sondern gegessen ist.

Der Zusammenhang zwischen Tee und Wein ist aus der Nähe betrachtet nicht weit hergeholt. Für „Jahrgangstee“ wird zwar keine einheitliche Definition angeboten: Bei den einen bezeichnet der Begriff immer den neuesten. Andere Teehäuser listen „Pu Er 1992“ oder „Jahrgänge zurück bis 1890“. Gartentee entspricht einem Lagenwein, kommt daher aus einem Teegarten, der aufgrund von Böden und Kleinklima Besonderes hervorbringt.

SFTGFOP1 oder FBOPF stiften auch nicht mehr Verwirrung als VVSOP, DOCG, halbtrocken oder „Reserve“ (ein Begriff, der hierzulande für Wein seit ewig verwendet wird und seit letztem April definiert ist). Assam, Ceylon, Darjeeling sind so etwas wie Bordeaux, Burgunder oder Moselwein, stehen sie doch für den „Generalstil“ einer Region, in der es dann unzählige „Einzeltypen“ gibt. Einmal völlig abgesehen von den gesundheitsfördernden Aspekten, die jedem Getränk irgendwann nachgesagt werden. Und über allem stehen Sommelièren und Sommeliers und blicken durch.

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, sich auf der Suche nach Genuss mit Historie, Erzeugung, feinen und feinsten Qualitätsverästelungen von Wein, Bier, Tee, Kaffee oder was auch immer zu befassen. Im Idealfall lernt man zwischen marketingtechnisch aufgemotztem Zeug und dem zu unterscheiden, was einem tatsächlich guttut und Freude macht. Wie weit nun die Bereitschaft geht, auch Apothekerpreise pro Feinunze für edelsten Stoff zu bezahlen und wo die Schmerzgrenze angesetzt wird, entscheidet jeder individuell. Nur wenige sind bereit, für zehn Dekagramm „Second Flush Darjeeling“ 64 Euro hinzublättern – aber auch 800 Euro für eine Flasche Mouton-Rothschild aus dem Edeljahr 2005.

Text (c) Artikel Assam 1992 und Ceylon 2008 von Luzia Schrampf (Der Standard / Rondo vom 28/11/2008)


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.