Wer hat den Tee in die Teewurst gemischt?

12. Januar 2018     noch kein Kommentar

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In Teebutter ist doch kein Tee drinnen… Oder doch? Und was hat denn eigentlich die Teewurst mit Tee zu tun? Wir haben uns auf die Suche nach den kuriosesten Mythen und Legenden rund um das Thema Tee begeben und sind dabei auf so manch sonderbare Geschichten gestoßen, die wir jetzt natürlich nicht nur für uns behalten können. Ich bin mir sicher, dass auch für wahre Tee-Experten und Expertinnen hier die ein oder andere Neuigkeit mit dabei ist, deshalb: Nicht erst Abwarten und Tee trinken, sondern gleich Lesen, Schmunzeln und dabei gerne Tee genießen!

Einen im Tee haben

Ob auf der jährlichen Weihnachtsfeier oder der Geburtstagsparty des Chefs – hat der Kollege mal wieder mächtig einen im Tee, beschreibt man damit umgangssprachlich seinen bereits mehr als angeheiterten Zustand. Zurückzuführen ist diese Redeverwendung vermutlich schon auf das 17. Jahrhundert, als Seeleute häufig noch Monate bis Jahre ohne Zugang zu frischem Wasser an Bord eines Schiffes verbrachten. Wollten die Matrosen ihr Durstgefühl löschen, griffen sie deshalb oft einfach ungeniert zur Rumflasche und fügten dem abgestandenen Wasser im Fass etwas von dem Rum zu. Dadurch wurde der schlechte Geschmack überdeckt und das Wasser wieder genießbar gemacht. Man munkelt, dass auch Kapitäne und Leuchtturmwärter diese Angewohnheit beibehielten und später ihren gebrühten Schwarzen Tee, welcher ähnlich der Farbe von Rum war, mit dem Alkohol vermischten. So konnten andere den Zuckerrohrschnaps nicht sehen, waren aber bestimmt häufig überrascht von der intensiven Wirkung des Schwarztees und wussten dadurch, dass der Betrunkene Rum im Tee hatte, kurz gesagt: einen im Tee hatte.

Nicht alle Tassen im Schrank haben

Wird jemandem vorgeworfen „nicht mehr alle Tassen im Schrank zu haben“, so kritisiert man damit nicht wie vielleicht voreilig angenommen dessen mangelndes Porzellanset in der Vitrine. Mit dieser Redensart zweifelt man viel eher an der geistigen Kompetenz eines anderen und bezeichnet diesen als verrückt oder dumm. Analysiert man die Redewendung auf ihre Herkunft, hat die hier gemeinte Tasse relativ wenig mit dem uns bekannten Geschirr zum Teegenuss zu tun. Dabei ist viel eher das jiddische Wort „toshia“ gemeint, welches für Klugheit oder Verstand steht und von deutschsprachigen Mitmenschen schlichtweg oberflächlich als „Tasse“ abgeleitet wurde. Stellt man sich den Kopf demnach bildlich als Schrank vor, in welchem das Gehirn verstaut wird, ist damit – simpel gesagt – zu wenig Verstand im Kopf gemeint.

Eine andere Geschichte, welche ebenfalls als Erklärung der Redewendung kursiert, findet man in einer Ausgabe des Literaturjahrbuchs „Tintenfisch“ von 1971. Die Schriftstellerin Christa Reinig beschreibt darin einen heftigen Streit mit einer Klassenkollegin in deren Küche, bei dem sich die zwei Frauen mit Beleidigungen gegenseitig übertrumpfen wollten. Schon bald waren alle bekannten Schimpfwörter gefallen und in ihrer Not bezeichneten sie sich als „von Mäusen angeknabberten Küchenstuhl“, „einzinkige Gabel“ und beim Anblick des Küchenschranks letztendlich als „Schrank, welcher nicht mehr alle Tassen hätte“.

Ist in Teewurst eigentlich Tee drinnen?

Wer sagt denn, dass zum Tee immer nur Süßes gegessen werden darf? Trends wie Foodpairing beweisen, dass auch deftige und süße Lebensmittel zusammen ein wahres Geschmackserlebnis verursachen können. Das dachte sich vermutlich Anfang des 20. Jahrhunderts auch Fleischermeister Carl Müller, Nachfolger des Gründers einer bekannten Wurstfabrik im heutigen Polen. Er wählte zum damals typischen Nachmittagstee lieber eine seiner feinen Streichwürste anstatt des traditionellen Süßgebäcks. Schon bald aß auch die restliche Bevölkerung von Rügenwalde bevorzugt ein Brot mit der im Ort hergestellten Wurst zum Tee, wodurch der Begriff Teewurst entstand.

Seit 2014, also gut ein Jahrhundert nach dem Erfinden der Teewurst, gibt es nun allerdings eine tatsächliche Teewurst zum Naschen: Im bayrischen Oberholzhausen wird die sogenannte „Matcha Weißwurst“ produziert, welche typisch für den darin verwendeten Matcha jadegrün leuchtet. Wie auch beim Matcha-Tee selbst wird hier zuerst das fein gemahlene Pulver aus Grüntee klassisch mit einem Bambusbesen schaumig gerührt. Anschließend wird die Mischung allerdings mit Kalbsfleisch zu Wurst weiterverarbeitet. Ganz traditionell wird die fertige grüne Wurst mit Brezen und Bier serviert und begeistert mit ihrem herben Geschmack bestimmt nicht nur eingeschworene Matcha-Fans!

Wie kommt der Tee in die Butter?

Auch in der Teebutter wird man selbst bei genauem Hinsehen nicht auf Tee stoßen. Während die Bezeichnung Teebutter inzwischen als Qualitätsmerkmal für Markenbutter gilt, liegt der Ursprung des Begriffes vor allem in der damaligen Verwendung der Butter: Diese wurde 1904 erstmals vom österreichischen Schärding ins englische Königshaus gebracht, um dort zu süßem Gebäck für den traditionellen Fünfuhrtee verarbeitet zu werden. Da die Butter somit einzig und allein für den Tee nach England exportiert wurde, erhielt sie den Namen Teebutter.

Dies ist allerdings nur eine der Legenden wie die Butter zu ihrem Namen kam. Eine andere führt bereits ins 19. Jahrhundert zurück, als Wien noch regelmäßig mit Milchprodukten aus der Gutsverwaltung des Erzherzogs Albrecht im schlesischen Teschen beliefert wurde. Um seine Butter von anderen unterscheiden zu können, benannte der Habsburger sie nach seiner Molkerei, der Te(schener) E(rzherzoglichen) Molkerei, kurz TE.E.-Butter. Diese entwickelte sich im Sprachgebrauch vermutlich zu der uns heute bekannten Teebutter.

Abwarten und Tee trinken

Die bekannte Redewendung „Abwarten und Tee trinken“, welche vor allem in stressigen Zeiten zu mehr Geduld mahnen soll, führt der Geschichte nach auf den Schafhirten Heinrich Ast zurück. Dieser hütete nämlich nicht nur seine Schäfchen, sondern war auch Fachmann im Bereich der Kräuterheilkunde. Aufgrund seines ausgeprägten medizinischen Wissens wurde er regelmäßig von kranken und schwachen Menschen aufgesucht, um sie mit seinen Kräutern zu behandeln. Waren die Patienten schon kurz nach dem Beginn der Behandlung ungeduldig, forderte der Hirte sie dazu auf, abzuwarten, weiterhin den aus den Kräutern zubereiteten Tee zu trinken und dadurch die Genesung zu beschleunigen, kurz gesagt: Abwarten und Tee trinken!

Alles Liebe,

eure Vanessa


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