Teereise nach China, einfach himmlisch!

28. April 2011     3 Kommentare

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Nach Terminen in Hong Kong gings nach Hangzhou am Xi Hu (Westlake). In der Früh des nächsten Tages holt mich erneut die Zeitumstellung und das Vogelgezwitscher frühzeitig aus dem Bett. Eine Stunde Laufen entlang des Westlake geht sich noch aus, bevor wir uns auf den Weg in das Lung Ching Gebiet machen. Das Lung Jing-Gebiet, aus dem der bekannte Drachenbrunnen Tee kommt, liegt nordwestlich von Hangzhou.

handroesten Es ist 7 Uhr morgens und ich bin bei weitem nicht alleine in den Parkanlagen entlang des Westlakes unterwegs. Am Wasser tuckern die ersten Boote. Die gelben Dächer der Boote werden von der Morgensonne bestrahlt und wirken daher goldfarbig. In den Grünanlagen klatschen die ersten Chinesinnen in die Hände. Es scheint, sie würden sich für die folgenden QiGong und TaiChi Übungen aufwärmen und lockern. Manche machen das ganz konzentriert und beginnen sich dann ganz synchron in der Gruppe zu bewegen. Es gibt meistens eine Lehrerin, die die Gruppe “lenkt und leitet”. Mir fällt auf, unter den Lehrerinnen ist gerade die Farbe pink sehr “in” und entsprechend bunt sind daher ihre Seidengewänder. Andere Gruppen wiederum gleichen einer Versammlung auf einem Marktplatz: Es wird getratscht und geplaudert, während sie ihre Übungen machen. Männer und Frauen allerdings getrennt. Wie gelenkig sie sind. Und sie sind bei weitem alle älter als 60+, schätze ich mal. Es wäre bei uns nicht vorstellbar. Zusätzlich werden noch eifrig die Spazierwege gekehrt. Mich – in meinen für sie eigentümlichen Laufklamotten und mit meiner “Langnase” (Da Piets) – belächeln sie neugierig, während ich zur Leifeng Pagode und wieder retour laufe. Manche versuchen auch Fotos zu machen. Der Tag erwacht.

Wir starten nun und fahren in das erste der 5 Hauptdörfer. Es ist Mei Jia Wu. Tolle Strassenverhältnisse und gute Infrastruktur! Wir spazieren die Hauptstrasse entlang, biegen in eine Seitenstrasse und klettern über die Terasse eines Hauses in die Teegärten. Vereinzelt wird der Tee gerade verarbeitet. Daher begleitet uns ein frischer, blumiger Duft in der Nase, von dem man nie genug haben kann. Die Hänge sind recht steil. Die Büsche selbst sehr niedrig. Die Böden dazwischen leuchten in einem hellen Ziegelrot. Die Büsche sind eindeutig jünger als vergleichsweise Büsche in Darjeeling. Wir steigen den Hügel über Stufen hinauf. Wir gehen bis ganz zur Bergspitze und überwinden dabei ca. 250 Höhenmeter. Leider ist es etwas trüb und daher die Aussicht nicht optimal. Es ist nun schon später Nachmittag. Es sind daher nicht mehr so viele Pflückerinnen unterwegs. Die, die noch in den Gärten sind, bewundern uns neugierig. Sie sind aber auch scheu, wenn man sie fotografieren möchte. Gepflückt werden die hellen, feinen Blattspitzen.

Wieder im Dorfzentrum angelangt verfolgen wir den Ablauf der eigentlichen Teeproduktion bei einem Teebauern. Jeder Bauer für sich hat seine eigene Verarbeitungsanlage. Als Ab-Hof könnte man die Sache bezeichnen. Die Blätter liegen in großen, runden Bambuskörben zum Welken. Als nächstes kommen sie in eine Maschine, die einer Bügelpresse ähnelt. Diese Maschinen haben in letzter Zeit sehr an Bedeutung gewonnen, da die manuelle Arbeit (also das Rösten nur im Wok) dadurch erheblich reduziert wird. Durch die Erhitzung in der Maschine wird die Oxidation unterbrochen. Durch den rollenden “Bügelarm” bekommt das Blatt seine charakteristische, flache Form. Das Blatt wird aber nicht direkt gequetscht dabei. Dieser Vorgang dauert ca. 20 Minuten. Der nächste Schritt ist das manuelle “Rösten” in der Wok-Pfanne. Man könnte es als „Feinschliff“ bezeichnen, da nur durch die manuelle Nachbearbeitung der Lung Ching seine charaktertypische Blattstruktur erhält. Dabei verdunstet die restliche Feuchtigkeit. Hier liegt aber auch die Kunst darin, das Blatt weder zu lange noch zu intensiv zu rösten. Es bedarf viel an Erfahrung und an Fingerspitzengefühl, hier die feinen Aromen zu erhalten. Stundenlang könnte man zusehen, wie die Teebauern mit den bloßen Händen, den Tee fast liebevoll streicheln und wenden ohne sich dabei zu verbrennen. Der fertige Tee wird nun auf der Straße zum Verkauf angeboten. Die Preisangaben beziehen sich auf jeweils 500g.

Die teuersten Qualitäten sind jene, die vor dem Frühlingsfest Ching Ming produziert werden. Diese sind dieses Jahr schon alle verkauft. Insgesamt ist man mit den Qualitäten dieses Jahr zufriedener. Im letzten Jahr war es etwas zuviel an Regen und kalten Temperaturen, die sich nicht ganz ideal auf die Qualitäten ausgewirkt haben. Dieses Jahr sind die Tees eindeutig besser, wobei dieses Jahr ein wenig mehr Regen nicht geschadet hätte. Die Pre Ching Ming Ernten werden gerne von Regierungsbeamten gekauft. Diese Berufsgruppe besitzt in China einen besonders anerkannten Stellenwert und Pre Lung Ching zu kaufen ist ein absolutes Statussymbol. Jetzt in der After Ching Ming Phase kauft die breite Masse der Chinesen für den Eigenbedarf bzw. kaufen Händler die Ware für den Export auf.

Wir fahren weiter ins Lung Ching Village oder auch als Dragon Well-Village bezeichnet. Ein Dorf mit schmucken Häuschen. Und hier teilen sich nun auch die vielen Geschichten über den Lung Ching Tee. War es der Kaiser Qianlong aus der Qing Dynasty, der insgesamt 18 verschiedene Teebüsche in die Region brachte und vor dem Hugong Temple pflanzte, wo man die Originalbüsche heute noch bewundern kann oder hat der Kult Lung Ching mit dem Drachen zu tun, der vor langer Zeit die Teebauern vor völliger Trockenheit rettete? Es ist ein Land der vielen Märchen und Sagen und jeder kann sich die für ihn/sie richtige Version zurechtlegen. Wir trinken Tee und genießen den frisch, blumigen Geschmack mit dem leicht süßlichem Aroma im Blatt und auch in der Tasse. Wir fahren weiter nach Lions Peak. Yungi und Tiger Peak schaffen wir nicht mehr. Es ist sehr viel (Autobus)verkehr und spätestens jetzt hab ich verstanden, dass die Atmosphäre hier verglichen werden kann mit der Steirischen Weinstrasse im Herbst. Kitzeck, Gamlitz, Ehrenhausen – Hügel rauf und runter, charakteristische Aromen nach Wein & Kastanien, herrliche Gegend, leuchtende Farben. Das Leben genießen und die Seele baumeln lassen. Wenigstens für einen Augenblick.


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3 Kommentare zu Teereise nach China, einfach himmlisch!

  • Jan Korbelik schrieb: (28. April 2011)

    Leckerlecker!

    für alle Teeisten:

    das Ding in der Tasse, richtig zubereitet.

    Was auf dem Photo oben so zärtlich gestreichelt wird, ist jetzt gerade in meiner Tasse. So Tee-Nädelchen, welcher das ist, weiß ich nicht, auf der Packung ist alles auf Chinesisch ….

    Mjam!

  • M.Denk schrieb: (28. April 2011)

    Westlake

    Ich hatte ziemlich ähnliche Eindrucke am Westlake um 7h früh, wirklich erstaunlich, wieviele Leute da schon aktiv sind, es lohnt sich jedenfalls so früh aufzustehen. Und wenn man dann noch zur Long Jing Produktion fahren darf, dann ist es sicherlich ein gelungener Tag ! Freu mich schon auf die neue Ernte !

  • Anonymous schrieb: (30. April 2011)

    so zart wie das scheint ist das nicht ;-)

    für einen guten Lung Jing müssen die Blätter beim rösten richtig fest platt gepresst werden… mit der Hand! das ist eine Kunst!


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25. April 2011     ein Kommentar

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