Weltuntergang für tea-licious

15. Dezember 2012     ein Kommentar

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Tea-licious-114 Alles begann für mich (Georg Demmer) vor knapp 10 Jahren, als ich irgendwo in Hong Kong Bubbletea gekostet habe. Nach drei Schluck war ich satt. Zu süß war der Black Milk Tea mit Tapioka. Aber iInteressant! Wann wird dieses Getränk nach Europa kommen? Dachte ich mir damals … ich mache es sicher nicht!

Anfang Sommer 2010 eröffnete dann tatsächlich ein Bubbletea-Shop in Wien und ich schrieb hier diesen kleinen Beitrag dazu: Bubble Tea in Wien. Über die facebook-Gruppe „Teefreunde“ lernte ich die Gründerin Susanne Dreier-Phan Quoc kennen. Ende des Sommers hat Susanne mich in ihren tea-licious Shop eingeladen. Die Schlange der Teenager ging bis auf die Straße und die Kids warteten teilweise fast eine halbe Stunde – ich war beeindruckt! Da muss doch was dran sein? Susanne ließ mich durch ihr Sortiment kosten. Ihre Rezepte und Zutaten hatten nichts mit dem krass-asiatisch-süßen Bubbletea zu tun, sondern interpretierten das Konzept Fun-Tea-Drink für den europäischen Geschmack völlig neu – frisch, kreativ, viel Tee und nicht zu süß.

Ein Jahr verging. Ich arbeitete im Einkauf und Marketing für Teefirmen in New York und Hamburg. Das Geschäft mit Bubbletea lief in der Zwischenzeit sehr gut an. Ausgehend von dem kleinen Laden in Wien (der dritte Bubbletea-Laden Europas!) eröffneten in ganz Deutschland und auch in Österreich Nachahmer. Gemeinsam mit einem Teehändler aus Hamburg gründete Susanne die tea-licious GmbH und eröffnete einen zweiten Standort. Im Spätsommer 2011 erhielt ich dann das Angebot bei tea-licious einzusteigen, um das Franchise-System zu entwickeln und die Expansion voran zu treiben. Im Herbst übernahm ich als Privatperson 10% der Anteile. Noch zwei weitere Gesellschafter übernahmen 10% bzw 5% der Anteile. 75% teilten sich nach wie vor die beiden Gründer.

Es lief fantastisch. Wir entwickelten unser System weiter und eröffneten unseren ersten Franchise-Standort in Amstetten. Weitere Shops folgten in Salzburg, Krems, Wiener Neustadt und Hagenberg bei Linz – fast im Monatsrhythmus. Ende des Sommers kam dann noch jeweils ein weiterer Standort in Wien, in Seiersberg bei Graz und im Herbst in Gerasdorf bei Wien hinzu. Alles lief perfekt, wir bezogen ein neues Büro, kauften einen Lieferwagen, vergrößerten unser Team und entwickelten viele tolle neue Produkte und Marketing-Konzepte. Dann kam der Gift-Skandal!

tea-licious hat von Anfang an auf beste und nachweislich streng geprüfte Produktqualität gesetzt. Unsere Drinks wurden in den Shops ständig frisch zubereitet, aus hochwertigem Blatt-Tee von Demmers Teehaus (wichtig: die Demmer GmbH hat firmenrechtlich nichts mit tea-licious GmbH zu tun). Dazu kamen dann je nach Wunsch echte Milch, Fruchtsirup, Honig und natürlich die rein pflanzlichen Toppings. So ein Drink hatte dann nicht mehr Kalorien als ein vergleichbares Getränk oder ein Snack. Von der angeblichen Verschluckungsgefahr keine Spur. Wir verkauften Drinks, die schmeckten und Spaß machten! Auf diese Qualitätsstandards und Vergleichswerte machten wir bereits frühzeitig im Rahmen von Produktinformationen über Pressekonferenzen, Presseaussendungen, sowie in Foldern und online aufmerksam. Zu unserem großen Bedauern blieben diese Bemühungen weitgehend unberücksichtigt von den Medien. Vor allem wurden alle Bubbletea-Anbieter unter einen Hut gesteckt und nicht zwischen diesen differenziert. Niemand würde einfallen, alle Eisgeschäfte oder Kaffeehäuser gleichzusetzten! Bubbletea ist nicht gleich Bubbletea.

Ende des Sommers wurde eine fragwürdige Untersuchung in Deutschland, von einem neuartigen, hochsensiblen Analysegerät der Firma Leco im Rahmen eines Gerätetests zu Werbezwecken veröffentlicht. Untersucht wurde eine einzige Sorte importierter Bubbletea Pearls eines deutschen Anbieters. Die untersuchende Wissenschaftlerin Petra Gerhards ging nach eigenen Angaben davon aus, dass das neue Analysegerät bei wahrscheinlich vielen Produkten schädliche Inhaltsstoffe, Allergene etc. finden würde. Für die Presse war der Fall aber klar – Bubbletea ist giftig und krebserregend! Seit diesem Tag ist der Markt für Bubbletea in Deutschland und Österreich jeden Tag etwas mehr gestorben. Einen Monat später wurde die „Studie“ revidiert, nachdem die Behauptungen nicht nachvollziehbar waren. Das druckte in Österreich leider niemand.

Durch noch viele andere Aspekten, wie beispielsweise verstärkt neue Konkurrenz durch McDonalds und anderen Mitbewerbern, sowie die gesamte wirtschaftliche Flaute im Handel, wackelte unser Businessmodell enorm. Zu meinem großen Bedauern kam unsere Geschäftsführerin Susanne Dreier-Phan Quoc im November 2012 zu dem Schluss, bedingt durch den katastrophalen Umsatzeinbruch und das Ausbleiben sämtlicher Zahlungen aller Partner, das Unternehmen in dieser Situation nicht mehr managen zu können und meldete die Insolvenz an. Wir haben alles versucht. Mit sehr viel Enttäuschung muss ich die Entscheidungen der Geschäftsführerin akzeptieren und hoffe sehr, dass wir das wunderbare tea-licious Konzept nach diesem „Gesundschrumpfungsprozess“ mit neuer Kraft weiter führen können.

Wir werden sehen ob die Welt nach ihrem Untergang wieder Bubbletea trinkt …


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Ein Kommentar zu Weltuntergang für tea-licious

  • Christoph schrieb: (2. März 2013)

    Sehr schade.

    Wollte grad in Salzburg endlich wieder einen bubble tea kaufen…

    Ich wartete schon ewig darauf das bubble teas endlich auch in Europa zu haben sind. Habe dann 2009 mal in der neubaugasse am Markt einen Probiert (bei deiner Partnerin?). Jedenfalls unglaublich dass dies solche Auswirkungen hatte. Bin mal gespannt wieviele der anderen Shops in Wien noch übrig sind- wenn ihr als einer der größten (?) aufgeben musstet.

    Wenn ihr wieder startet unbedingt die Becher zukleben. Eure Deckel waren ein Nachteil gegenüber den anderen Anbietern (die es so machten wie bei 99% der Shops in Übersee)